All hooded up – eine Hommage an den Kapuzenpulli

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Kapuzenpullover, Hooded Sweater, Hoodie – nenn es, wie du willst. Wir alle besitzen ihn, lieben ihn, tragen ihn, fühlen uns wohl in ihm. Er ist der Inbegriff von Loungewear. Er ist bequem, unkompliziert und simpel. Er ist Generations- und Kultur-übergreifend akzeptiert. Er ist ein Kleidungsstück, wie es kaum ein zweites auf der Welt gibt. Zeit für eine Hommage an den Hoodie.

Wir stehen morgens zum Joggen auf, ziehen uns die Trainingshose an, schnüren die Schuhe zu und ziehen die Kapuze des Hoodies über. Wir liegen abends geschafft auf der Couch und entspannen uns, gemütlich eingepackt im Hoodie. Wir sitzen in der Schule, in der Uni, ja vielleicht sogar auf Arbeit und tragen unseren Hoodie. Die denkbaren Situationen, in denen wir dieses Kleidungsstück tragen, sind nahezu zahllos. Und obwohl der Kapuzenpulli unumstößlich als absolut jugendliches Kleidungsstück gilt, hat er – man glaubt es kaum – bereits einige Jahre auf seinem modischen Buckel.

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Die Geschichte des Hoodies, wie man ihn heute kennt, beginnt in den 1930er Jahren. Es war die bekannte Sportswear-Marke Champion, die den Hooded Sweater vor rund 80 Jahren auf den Markt brachte. Wie so oft entwickelte sich der Hoodie von einem rein zweckmäßigen Kleidungsstück zu einem Teil, welches heute gerade durch seinen besonderen, unvergleichlichen Look besticht. Die ersten Kapuzenpullis fertigte Champion für die New Yorker Arbeiter. Der Hoodie sollte vor allem gegen die niedrigen Temperaturen in kalten Lagerhallen und Tiefkühllagern schützen. Erst später wurden seine geradezu perfekten Eigenschaften zum Joggen an kühlen Tagen von Sportlern entdeckt. Der bloße Fakt, dass Silvester Stallone den Hoodie in den Filmklassikern der Rocky-Serie trug, schraubte seine Popularität weiter in die Höhe, sodass das Kleidungsstück auch über die Grenzen der USA hinweg seine Fans fand.

Seine Verwendung als modisches Accessoire ist jedoch vor allem der HipHop-Kultur der 80er und 90er Jahre zu verdanken, deren Angehörige den Kapuzenpulli vor allem aus Style-Gründen trugen. Schließlich wurden selbst bekannte Designer auf den bis dato nicht unbedingt als High Fashion bekannten Hoodie aufmerksam. So hielt das Kleidungsstück auch Einzug in die Kollektionen von Tommy Hilfiger, Calvin Klein oder Armani – seiner Beliebtheit auf den Straßen tat dies jedoch bis heute keinen Abbruch. Vielmehr war das genaue Gegenteil der Fall, sodass sich der Hooded Sweater, ganz ähnlich wie etwa die Jeans, als eine Art Universal-Kleidungsstück etablieren konnte und Einzug in ALLE gesellschaftlichen Schichten und Gruppen hielt.

Unlängst produzierten nämlich auch Universitäten ihre eigenen Hoodies und bedruckten sie mit ihren eigenen Wappen und Logos, die Street-Kids liebten die Teile nach wie vor und auch bei der Mittelschicht konnten sich die Pullover mehr und mehr als Alltagsmode durchsetzen. Nichtsdestotrotz sah sich der Hoodie zeitweise wie kaum ein anderes Kleidungsstück starker Kritik ausgesetzt. Gerade in seinem Heimatland, den USA, wurde der Kapuzenpulli häufig von vermeintlichen Verbrechern getragen, weil man glaubte, sich mit einem Hoodie besser vermummen zu können. Eine gar politische Dimension nahm das Ganze an, als im Februar 2012 der 17 jährige Afroamerikaner Trayvon Martin im US-Bundesstaat Florida erschossen wurde, weil er unter anderem wegen seines Hoodies „verdächtig“ wirkte. Als Reaktion darauf protestierten im ganzen Land Jugendliche demonstrativ in Kapuzenpullovern gegen Rassismus. Zudem twitterten zahlreiche NBA-Stars Fotos von sich in Hoodies um ihre Solidarität mit Martin auszudrücken. Selten erhielt ein einzelnes Kleidungsstück eine derart große gesellschaftliche Bedeutung. Der Hoodie – gestern noch „Verbrecherkluft“ abgestempelt – wurde plötzlich zu einem symbolträchtigen Statement.

Man sieht, die Geschichte des Hoodies ist nicht nur die eines einfachen Kleidungsstücks. Er ist umstritten, geliebt und gehasst. Was aussieht, wie ein ganz normaler Sweater mit Kapuze, hat eine Bedeutung erlangt, die weit über den bloßen Mode-Faktor hinausgeht. Er ist ein unverzichtbares Sport-Utensil, ein unersetzliches Stück Freizeitmode und ein Symbol für eine ganze Protestbewegung. In diesem Sinne: Keep the Spirit alive!

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