Wie war das eigentlich mit den Deutschen Bundeswehrjacken?

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Neulich, irgendwo in Prenzelberg. Alles wie immer eigentlich, möchte man meinen: Die Sonne scheint. Junge Mamas schieben Retro-Kinderwagen vor sich her. Hippe Medienmenschen sitzen in Eck-Cafés vor ihren MacBooks und geben sich ihren täglichen Latte Macchiato-Einlauf. Während die U2 vorbeidonnert stellen die Second-Hand-Ladeninhaber ihr Sortiment an großen Kleiderstangen nach draußen. Mit dabei: die obligatorischen Bundeswehrjacken in Tarnfarben. Bundeswehrjacken – da war doch mal was!

Und was da mal war – und es ist noch gar nicht mal so lange her. „Uns“ Deutsche erfüllt es ja bekanntermaßen immer mit unglaublichem Stolz, wenn wir für die meist viel cooleren Amerikaner in irgendeiner Weise eine Rolle spielen. Sei es, wenn sie unser Bier und unser Essen vergöttern, wenn sie Heidi Klum ganz toll finden, oder wenn sie ihre Scherzchen über die „cuten“ Lederhosen machen können. So staunten die jungen Hipsters nicht schlecht als sie im Herbst 2010 das „Barbra Streisand“-Video des DJ-Duos Duck Sauce zum ersten Mal sahen. Zu sehen waren zahllose Promis, Musiker und Fashionistas, so auch Funk-Musiker P-Thugg, der stilecht eine olivgrüne Jacke mit schwarz-rot-goldener Flagge am Ärmel trug. Halt, Stopp, dachte man. – Eine Jacke der DEUTSCHEN BUNDESWEHR? Ernsthaft? – Ernsthaft! Und spätestens ab diesem Moment (Gerüchten zufolge existierte der Trend schon eine Weile vorher unter der Oberfläche) brach ein wahrer Sturm los. Der Run auf Bundeswehrjacken war nach diesem Video so sicher wie das Amen in der Kirche. Und er war groß.

Irgendwie ja auch verständlich: Gerade bei deutschen Jugendlichen, wo sich die Beliebtheit der Bundeswehr im Schnitt oft im Keller befindet, war es ein ungleich provokanter Akt, sich ein solches Jäckchen überzustreifen. Und zum derzeit sowieso stattfindenden Hype um den Military-Look konnten die Bundi-Jacken kaum besser passen. Zudem – so viel Ehrlichkeit muss sein – ist der Großteil heutiger jugendlicher Fashion-Victims eine unheimlich unpolitische Masse. „Alles egal“ lautet die Parole. Für etwas einstehen, sich zu etwas bekennen scheint nicht wichtig. Und wenn wir schon dabei sind, können wir die Bundeswehr-Mode, für die wir uns früher geschämt hätten jetzt auch zum bloßen Modeaccessoire degradieren. Gesagt, getan! Ein Trend war geboren.

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Wie gesagt, man muss das alles im Kontext sehen. Die Allerwenigsten bis Niemand von denen, die diese Jacken trugen, tat dies aus einer besonderen Verbundenheit mit dem deutschen Militär. Man trug sie vielmehr, weil es cool war, sie zu tragen. Warum wir jetzt darüber sprechen? – Es ist der zeitliche Abstand, der einen das ganze aus der Ferne noch viel Klarer sehen lässt. Deswegen treibt es einem heute ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen, wenn man die Teile an den Kleiderbügeln vor den Second-Hand Läden im Prenzlauer Berg hängen sieht. So als warten die Jacken verzweifelt darauf, dass sie noch von irgendwem beachtet oder gekauft werden.

Let’s face it: Der große Run auf die Stücke ist vorbei. Hier von „komplett out“ zu sprechen wäre jedoch überzogen. Bundi-Jacken zu tragen war für Amerikaner wie P-Thugg ein reines Style-Ding und für deutsche Fashion-Victims eine kleine Provokation, die aber mittlerweile gegenstandslos geworden sind. Wer die Teile heute trägt, sieht darin noch immer cool aus. Und wie gesagt, der Military-Look funktioniert heute noch so gut, wie letztes Jahr – und hier fügen sich die Bundi-Jacken nach wie vor perfekt ein. Aber das anfängliche Überraschungsmoment ist wohl aufgebraucht. Wie man die Geschichte fortsetzen könnten? – Nun, wie wäre es, wenn man im nächsten Winter auf Bundeswehr-Socken umsteigt? Davon sieht man zwar etwas weniger, dafür sind sie praktisch und halten beim Rundgang auf dem Weihnachtsmarkt die Füße schön warm. Oder lasst euch doch mal von euren Bundi-Kumpels ein paar Bundeswehrdecken organisieren – die machen sich perfekt beim nächsten BBQ im Stadtpark. Und wenn’s dann abends etwas kühler wird, wird passend dazu die leichte Bundeswehr-Jacke wieder übergezogen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

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